Haushaltslage versus Selbstbestimmung – kann KI Teil der Lösung sein?
Die derzeit diskutierten Einsparpläne bei Leistungen für Menschen mit Behinderungen waren Gegenstand eines Austausches des Bielefelder CDU-Kreisvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Tom Brüntrup sowie Claudia Middendorf, Beauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen für Menschen mit Behinderungen mit der Diakonischen Stiftung Ummeln am Freitag, 3. Juli 2026. Wie Künstliche Intelligenz den Alltag in der Eingliederungshilfe erleichtern und eine Lösung bei den Finanzierungsproblemen darstellen könnte, lernten sie beim Besuch in einer Wohngruppe kennen.

In einer Wohngruppe der Diakonischen Stiftung Ummeln Teilhabe gGmbH wird derzeit ein KI-Assistent erprobt, der gesprochene Dokumentationen automatisch verschriftlicht und den vereinbarten Maßnahmen im Betreuungsplan zuordnet. Das reduziert den Dokumentationsaufwand für die pädagogischen Kräfte erheblich und schafft mehr Zeit für die direkte Begleitung der Klient*innen. Gleichzeitig kann die Dokumentation gemeinsam mit den betreuten Menschen erfolgen und stärkt damit ihre Beteiligung.
„Unser Ziel ist es, dass Mitarbeiter*innen weniger Zeit am Computer verbringen und mehr Zeit für die Menschen haben. Digitalisierung muss die Qualität der Unterstützung verbessern und Teilhabe fördern“, erläuterte Marc Korbmacher, Vorstand der Diakonischen Stiftung Ummeln.
„Die Bedarfe in der Eingliederungshilfe wachsen rasant. Entsprechend dankbar bin ich Trägern wie der Diakonischen Stiftung Ummeln, die sich trotz der finanziellen und bürokratischen Herausforderungen für die Menschen engagieren,“ betont Tom Brüntrup. „Das KI die Fachkräfte entlasten und wieder mehr Zeit für die Menschen mit sich bringen kann ist super. Politik muss jedoch weiter an den Rahmenbedingungen arbeiten, um den Bedarfen und den Menschen mit Behinderungen gerecht zu werden.“
Stiftung positioniert sich gegen Kürzungsvorschläge
Neben dem Praxisprojekt nutzten Korbmacher und Marcel Ellermann, Geschäftsführer der Diakonischen Stiftung Ummeln Teilhabe gGmbH, den Besuch auch für einen Appell an die Politik. Hintergrund sind die auf dem Kommunalkongress des Deutschen Städte- und Gemeindebundes im April angekündigten Einsparungen in Milliardenhöhe bei Leistungen für Kinder, Jugendliche und Menschen mit Behinderungen.
„Die soziale Infrastruktur ist eine Zukunftsinvestition und braucht eine verlässliche Finanzierung. Kürzungen würden die Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen erheblich einschränken“, sagte Korbmacher. Ellermann verwies darauf, dass die Eingliederungshilfe keine freiwillige Sozialleistung sei. „Menschen mit Behinderungen haben einen Anspruch auf individuelle und bedarfsgerechte Assistenz. Diese Leistungen sind Verpflichtungen Deutschlands aus der UN-Behindertenrechtskonvention und dürfen nicht zur Disposition gestellt werden.“




